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Workcamp 2011

Bericht über das Workcamp 2011 in Stari-Lepel von Hannah und Svenja

…) Was du nicht erschaffst, du
bist es nicht. Dein Sein nur Gleichung
für Tätigsein: Wie will denn,
wer nicht Treppen zimmert,
über sich hinausgelangen?
Wie will heim zu sich selbst finden,
der ohne Weggenossen? (…)

(Zitiert aus Günter Kunerts Gedicht „Vorschlag“)

Drei Wochen Weißrussland mit 45 fremden Menschen? Eine 30-stündige Busfahrt und fünf Tage die Woche in den Ferien arbeiten? Das waren wohl ein Teil der Fragen mit denen wir uns im Vorfeld, nicht nur durch uns selbst konfrontiert sahen. Aber um das vorweg zu nehmen: Die Reise nach Weißrussland hat sich mehr als gelohnt!

Arbeit & Menschen
Ein normaler Arbeitstag in Stari Lepel beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, den ersten noch etwas müden Gesprächen und dem obligatorischen Morgenkreis. Der Morgenkreis, welcher immer mit den Worten „alle Betten, alle Zelte leer?“ eröffnet wurde, diente ansonsten dazu, die Namen der Mitreisenden zu lernen. Um 8.30 Uhr ging es für uns auf die Baustelle, auf der wir bis zum Mittagessen die meiste Zeit mit Arbeiten verbrachten.
Nach dem immer reichhaltigen, wie leckerem Essen und einer einstündigen Mittagspause, die die Meisten weit verstreut auf dem Schulhof verbrachten, kehrten wir zurück zur Baustelle.
Auf der wir frisch erholt noch einmal alles gaben, um dann um 17h in den wohlverdienten Feierabend aufzubrechen. Bis zum Abendessen hatten wir nun zwei Stunden zur freien Verfügung, die wir wahlweise zum Duschen, Reden, Lesen, Schlafen, Fußball/Volleyball spielen, Einkaufen, Schwimmen, Joggen, Kartenschreiben und vielem mehr nutzten.
Mit dem Abendessen endete der „offizielle Teil“ des Tages und der allabendliche Stammtisch wurde eröffnet, welcher je nach Wetterlage in der Küche oder am Feuer stattfand.

Ein Haus zu bauen und in eine unbekannte Gegend zu ziehen, ist für jeden eine aufregende, vielleicht auch beängstigende Zeit. Aber all dies mit vielen fremden Menschen aus zwei Nationen anzufangen und auch durchzuhalten, erfordert noch einiges mehr an Mut. Ich denke, das was uns jedoch zu unserem Ziel geholfen hat, war vor allem eine gute Verständigung, die sich zumindest auf der Seite der Weißrussen(innen) auch verbal äußerte. Ansonsten lässt sich zum Miteinander sagen, dass sich alle mehr als gut verstanden haben und buchstäblich (in der Eimerkette) Hand in Hand gearbeitet haben.
Ein Grund für so viel Harmonie war, dass wir Mitreisende aller Altersgruppen zwischen 13 und 69 Jahren dabei hatten und es somit zu keiner größeren Gruppenbildung kam.

Zum Hausbau:

Die 1. Woche

  • Holzgerüst mit Lehm einstreichen (zum Schutz gegen Ungeziefer)
  • erste Lage verschalen
  • die ersten drei Wände stopfen

    Die 2. Woche
  • dabei gleichzeitig die Dachschrägen mit Lehm/Holzhäckselmix stopfen
  • vierte Wand stopfen
  • das Dach mit Schilfmatten dämmen
  • währenddessen die vier Wände bis zum Giebel mit Lehm/Holzhäckselmix füllen

    Die 3. Woche
  • der Boden des 1. Stocks wird mit Lehm/Holzhäckselmix gefüllt
  • auf den Boden des 1. Stocks und des Dachbodens kommt reiner Lehm
  • gleichzeitig wird das Dach mit einer Diffusionsplane bedeckt

    Reisen & Entdecken
    Die gemeinsamen Ausflüge und die Erkundungen der Umgebung auf eigene Faust bildeten das passende kulturelle Rahmenprogramm zu unserer fleißigen Arbeit auf der Baustelle. Mit den Fahrrädern erkundeten wir nicht nur die Stadt Lepel und die nähere Umgebung, sondern konnten mit ihnen auch schneller den erfrischenden Lepelsee erreichen.
    Wir erfuhren etwas über die Geschichte Lepels und besuchten das dortige Heimatmuseum.

    In Minsk teilten wir uns in Gruppen auf, die jeweils von einer weissrussischen Dolmetscherin geleitet wurden. Diese zeigten uns, auf jeweils recht unterschiedliche Weise die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.
    Zusätzlich hatten wir Zeit uns in den Kaufhäusern umzusehen und gemütlich einen Kaffee zu trinken.
    Auf der Rückfahrt unseres Tagesausflugs nach Minsk, hielten wir an der Gedenkstätte Chatyn.
    Chatyn ist die beeindruckendste Gedenkstätte gegen das Vergessen der Dorfverbrennungen und erinnert als Mahnmal an die Millionen zivilen Opfern während des zweiten Weltkrieges.
    Natürlich besuchten wir auch das Dorf Drushnaja (Hyperlink) und besichtigten auf dem Weg dorthin das Ambulatorium und die Schilfmattenfabrik.
    Am letzten Samstag fuhren wir nach Witebsk, machten eine Stadtführung und konnten die Kunstwerke Marc Chagalls bewundern.
    Am Sonntag fuhren wir nach Polotsk. Dort besuchten wir zunächst das Frauenkloster, um im Anschluss daran noch die Stadt zu besichtigen.
    Zu diesen Ausflügen kamen noch zwei Informationstreffen, unter anderem mit einer Lehrerin der Schule in Stari Lepel und dem örtlichen orthodoxen Pope. Diese beiden Personen haben uns viel über die Geschichte und Kultur des „Lepel-Gebiets“ erzählt und wir konnten einen lebhaften Einblick in die orthodoxe Religion erhalten.

    Feste & Feuer
    Man soll die Feste feiern wie sie fallen?!?
    In unsere drei Wochen fielen recht viele Feste, sogar so viele, dass wir am letzten Abend noch zwei große Kisten voller Kekse übrig hatten, da wir ständig Geburtstagskuchen bekamen und somit die Nachmittagskekse liegen blieben.
    Insgesamt feierten wir fünf Geburtstage zwischen dem 16. und 80. Lebensjahr sowie das obligatorische Richtfest, das Bergfest, das große Abschiedsfest und eine frisch gebackene Großmutter.
    Am Bergfest nutzten wir den Abend, um uns in einer gemeinsamen Runde darüber auszutauschen, was uns gut gefällt und welche Dinge verbesserungswürdig seien.
    Allerdings stellte sich recht schnell heraus, dass es außer einer fehlenden Beleuchtung in der Dusche, keine Probleme gab und so wurden sogar schon die ersten Anmeldungen für das nächste Jahr geäußert.
    Danach kamen wir noch ein wenig mit dem neuen Hausbesitzer ins Gespräch und im Anschluss daran gab es für alle Bier, etwas zu Schnuckern und Musik am Feuer.
    Im Gegensatz dazu hatte das Abschiedsfest einen eher offiziellen Charakter, denn dazu wurden alle Familien der Siedlung, der Schulleiter und noch einige Leute mehr eingeladen.
    Nach einem reichhaltigen Buffet, wurden wir vom Abschiedsfestkomitee zum Tauziehen aufgefordert, was für viel Spaß sorgte. Leider wurde dies durch einen Platzregen unterbrochen, sodass wir dann auf die Tanzfläche entlassen wurden.
    Alles in allem, war es für die meisten von uns ein sehr gelungener Abend, an dem man noch ein letztes Mal die Chance bekam einige Mitreisende noch ein wenig besser kennenzulernen.

    Gespräche, die nicht vollendet wurden, ein tränenreicher Abschied und drei wunderbar spannende Wochen weisen den Weg in eine neue Bausaison für das kommende Jahr.











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