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Studien- und Begegnungsreise Belarus 2014

Von einer vierzehntägigen eindrucksvollen Rundreise durch Weißrussland kehrte eine zwölfköpfige deutsche Gruppe kurz vor der Sommerpause zurück. Eingeladen hatten die Evangelische Erwachsenenbildung Ostwestfalen in Verbindung mit HeimStatt Tschernobyl e.V. und dem Internationalen gemeinnützig-gesellschaftlichen Verein „Öko-Dom“ in Minsk.

Irmgard von Bodelschwingh, die gemeinsam mit ihrem Mann vor 25 Jahren das Projekt zur Ansiedlung von Familien aus dem durch Tschernobyl verstrahlten Gebieten Weißrusslands in den unbelasteten Norden angestoßen hatte, unterstützte Irene Esser in der Leitung. Dadurch wurde es möglich, in einzigartiger Weise Begegnungen zu haben mit belarussischen Familien.
Nach der Flugreise von Berlin in die Hauptstadt Minsk gab es zunächst eine kundige Stadtführung zu den zentralen Orten der Geschichte und Kultur der Stadt. Per Bus reiste die Gruppe dann mit drei Dolmetschern in den Süden des Landes nach Mikaschewitschi, Svetlogorsk und Gomel. Hier wurde sie jeweils in einer freudigen Erwartungshaltung von Familien herzlich begrüßt, die ein abwechslungsreiches Programm vor Ort organisiert hatten.
Dazu gehörten der Besuch des größten europäischen Steinbruchs, mehrerer Schulen und Ambulanzen, die einen Einblick verschafften in die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen des Landes.
Was der Supergau von Tschernobyl vor nahezu 30 Jahren bedeutet hat und wie er nochheute im Alltagsleben gegenwärtig ist, haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe in offener und persönlicher Atmosphäre erfahren können. Betroffen waren die Zuhörenden, von Lehrerinnen zu erfahren, dass heute bei jedem neu eingeschulten Kind in Belarus auffällige Schilddrüsenwerte festgestellt werden. Dabei fiel der Satz: „Vor Jahren
waren in den Eingangsklassen 5 von 20 Kindern krank, heute sind 5 von 20 auf den ersten Blick gesund“. Krankheitsverläufe, die als Folgen von Strahlenbelastungen entstehen, werden in speziellen Instituten und Kliniken begleitet. Auch werden staatlich organisierte Erholungsmaßnahmen angeboten. Doch viele Geschehnisse und Entwicklungen der Folgen des Unglücks von Tschernobyl finden Abseits der Wahrnehmung der Öffentlichkeit statt.
Die nicht veränderbaren Belastungen der Umwelt, zu der weiterhin gesperrte Gebiete gehören, lasten wie ein unsichtbarer Schleier über dem Alltagsleben.
So empfanden es mehrere Teilnehmende. Sie erfuhren aber auch im Gespräch, dass sich die heimische Bevölkerung nach fast drei Jahrzehnten danach sehnt, endlich wieder ein „normales“ Leben zu leben. „Es ist für uns an der Zeit, dass das Wort ´Tschernobyl` nicht sogleich ein persönliches Schreckerlebnis auslöst“, sagte ein guter Kenner des Landes im Gespräch. Oberflächlich nahm die Besuchergruppe ein prosperierendes Land mit moderner
Infrastruktur in den Städten und gleichzeitiger Landflucht wahr. In Gesprächen mit Vertretern des Öffentlichen Lebens wurde deutlich, wie schwierig die politischen Rahmenbedingungen eines Landes sind, das genau zwischen den westlichen und östlichen Machtblöcken liegt.
Bei dem fröhlichen Wiedersehen und nachdenklichen Gesprächen und Begegnungen gab es an allen Orten eine liebevoll zubereitete köstliche Bewirtung. Zu den Überraschungen gehörten ein von Musiklehrern professionell dargebotenes Konzert, eine Schifffahrt auf dem Dnjpr und eine für 60 Personen frisch auf dem Feuer am Ufer des Flusses zubereitete Fischsuppe. Hier erfuhr die deutsche Besuchergruppe, wie aus wenigen mitgebrachten Zutaten eine größere Anzahl von Personen unkompliziert bewirtet werden kann.
In Witebsk besuchte die Gruppe das Geburtshaus von Marc Chagall und u. a. auch die große Open-Air-Bühne, Zentrum der Slawischen Nächte, die jedes Jahr in der „Kulturhauptstadt des Ostens“ gefeiert werden. Kultureller Abschluss der Reise war ein Theaterabend mit dem georgischen Bolschoi Staatsballet. Diese hochkarätige Aufführung
war nach der langen Rundreise mit intensivem Programm ein erholsamer „Balsam für die Seele“, wie eine Teilnehmerin sich ausdrückte.
Immer wieder waren die Reisenden unterwegs auf Spuren des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gestoßen. Anlässlich des Besuches der neu erbauten Dörfer aus Lehmhäusern Stari Lepel und Drushnaja wurde ihnen der Frontverlauf der beiden Weltkriege gezeigt. In Folge des Partisanenkrieges in Weißrussland zerstörten deutsche Einsatztruppen mehr als 600 weißrussische Dörfer. 186 davon gibt es nicht mehr. Das Dorf Chatyn wurde stellvertretend in Erinnerung an diese furchtbaren Geschehnisse als Gedenkstätte 2 rekonstruiert. Hier verweilte die Gruppe einige Zeit, ebenso wie an der neu entstehenden Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Trostenez in der Nähe von Minsk.
Die Wirtschaftsreferentin der Deutschen Botschaft in Minsk, Anika Schäfer, und der Leiter der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte (IBB) in der weißrussischen Hauptstadt, Viktor Balakirew, halfen, ein vertieftes Verständnis für die komplexe gegenwärtige Situation des Landes zu finden. Dabei kamen auch die Unterschiede zum Nachbarland Ukraine zur Sprache. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme am Nationalfeiertag mit Militärparaden
und dem Aufmarsch vieler gesellschaftlicher Gruppierungen in der abgesperrten Innenstadt von Witebsk. Hier nahmen die Teilnehmenden besonders die staatliche Präsenz von Sicherheitskräften wahr.
Trotz der eingeschränkten politischen Freiheiten im Land halten die Veranstalterinnen der Reise einen Besuch in Belarus für sinnvoll und wertvoll. Die Begegnung mit den befreundeten Familien zeigte die Dankbarkeit für die in den letzten Jahren seitens Heim-statt Tschernobyl e.V. und ÖkoDom geleistete Hilfe zur Selbsthilfe auf. Die Gruppe nahm die Bitte mit nach Deutschland, auch weiterhin Mutter-Kind-Freizeiten im Norden des Landes für
Familien aus dem verstrahlten Süden zu organisieren und durchzuführen.

Irene Esser
August 2014


Der komplette Reisebericht als PDF zum download.Visualisierung für eine pdf Datei



 
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