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Christoph Dembowski mit Heim-statt-Tschernobyl in Belarus unterwegs

Kurzinterview mit der Rotenburger Rundschau

Rotenburg (ww).

2004 war es, als Christoph Dembowski erstmals nach Weißrussland flog. 2007 folgte der zweite Aufenthalt und erst vor wenigen Wochen der dritte. "Die Menschen dort sind sehr offen und strahlen eine unbeschreibliche Gastfreundschaft aus", berichtet der Rotenburger Kinderarzt, der den Verein Heim-statt-Tschernobyl unterstützt.

Das Bild zeigt Dr. Christoph Dembowski (links) mit Dr. Trubatsch, dem Leiter der Ambulanz, die in Drushnaja entstand.
Welche Ziele der hat und was Dembowski bei seiner Reise erlebte, verrät er der Rundschau im Kurzinterview.

Rundschau: Was bringt einen Rotenburger Kinderarzt nach Weißrussland?

Dembowski: Dafür gibt's zwei Gründe. Vor sieben Jahren erhielt ich Post von einem Studienfreund, der mich fragte, ob ich für den Bau einer Windkraftanlage in dem von Tschernobyl schwer geschädigten Weißrussland spenden würde. Ich sagte sofort zu, um das Signal für eine andere Energieversorgung zu unterstützen. Außerdem ist Belarus nicht so weit weg, wie wir meinen: Von Berlin aus fliegt man eine Stunde und 30 Minuten und wenn man sich Europa tatsächlich vom Ural bis zum Atlantik denkt, dann liegt Belarus genau in der Mitte.

Rundschau: Was genau ist Heim-statt-Tschernobyl?

Dembowski: Es handelt sich um eine Nichtregierungsorganisation, die seit fast 20 Jahren eine beeindruckende Aufbauarbeit leistet. Familien aus den verstrahlten Gebieten im Süden Weißrusslands werden in den unverstrahlten Norden umgesiedelt. Mit Hilfe von Freiwilligen aus Deutschland und Belarus bauen sie sich neue Häuser. Inzwischen sind mehr als 50 Häuser in Eigenarbeit entstanden. Die Arbeit wird mit Strukturhilfen verknüpft: So wurden auch zwei Windkraftanlagen errichtet sowie eine Schilfmattenproduktionsanlage zur Herstellung von Dämmmaterial für die neu errichteten Häuser. Außerdem gab es den Bau von drei Solaranlagen und die medizinische Versorgung wurde mit der Errichtung eines Ambulatoriums in Niedrigenergiebauweise verbessert.

Die Arbeit beeindruckt umso mehr, wenn man sich klarmacht, dass in Weißrussland durch die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg 617 Dörfer niedergebrannt wurden. 2,3 Millionen Menschen aus Belarus kamen in dem Krieg um, das ist etwa ein Viertel der Bevölkerung.

Rundschau: Können Sie Näheres zu der medizinischen Ambulanz sagen, die aufgebaut wurde?

Dembowski: In den Jahren 2005 und 2006 haben wir in Rotenburg zwei Sponsorenläufe am Weichelsee gemacht. Die Gelder aus diesen Veranstaltungen haben erheblich zum Gelingen des Projekts beigetragen, sie machten etwa acht Prozent der Bausumme aus. Deshalb findet sich jetzt im Eingangsbereich der Ambulanz eine beeindruckende Spendertafel, da taucht der Name Rotenburg sehr häufig auf.

Ich habe bei meiner jüngsten Reise im August vor Ort einen Vortrag über die Normalentwicklung von Kindern gehalten und erlebte einen überaus herzlichen und gastfreundlichen Nachmittag in dem gelungenen Gebäude. Es ist für die in der Gemeinde Sanarotsch lebenden Menschen ein großes Geschenk. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man weiß, auf welchem Niveau sich ansonsten die medizinische Versorgung befindet.

Rundschau: Wie geht es weiter?

Dembowski: Wir haben bei der Reise unter anderem die erste Holzpellet-Heizung im weißrussisch-russischen Raum eingeweiht. Weißrussland exportierte bisher nur Holzpellets nach Europa, nun gibt es dort die erste Heizungsanlage für den Brennstoff. Das Niedrigenergiegebäude für die medizinische Versorgung wird inzwischen durch belarussische Architekten ein zweites Mal gebaut, in Neswitsch im Bezirk Brest.

Außerdem gilt es, das Gedenken an Tschernobyl wachzuhalten. Das ist nach fast 25 Jahren eine große Herausforderung. Mit Tschernobyl sind große Teile Weißrusslands quasi aus der Schöpfung herausgefallen. Daher ist es unverantwortlich, die Nutzung der Atomenergie noch weiter zu betreiben. Der Atomausstieg ist mitnichten ein deutscher Sonderweg, auch in belarus hat die Nutzung erneuerbarer Energien Fuß gefasst und muss weiter ausgebaut werden.

© Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG

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